Balkanrunde: Von Basel über Split, Bar und Belgrad nach Wien

Tag 2

Ich schlafe wie ein Stein und wache in der Nacht kein einziges Mal auf. Auch nicht, als der Zug in Schwarzach-St.Veit geteilt wird. Und das, obwohl die „Matratze“ im kroatischen Schlafwagen eher hart ist. Genau genommen ist es gar keine Matratze, sondern man liegt auf der Sitzfläche die bei Tagstellung zum Sitzen gedacht ist. Somit ähnelt der Schlafwagen eher einem Liegewagen. Immerhin gibt es aber richtige Bettwäsche. Ich habe irgendwo gelesen, dass das mittlere und das obere Bett aber eine vernünftige Matratze haben sollen.

Ich wache genau in dem Moment auf, in dem der Zug in den Villacher Hbf einfährt. Es ist kurz nach sechs und die ersten Sonnenstrahlen dringen in mein Abteil. Die Jalousie ist nicht ganz in Ordnung und lässt sich nicht bis ganz nach unten ziehen, daher kann ich mein Abteil nicht komplett verdunkeln. Das ist nun aber auch egal und ich entscheide mich, jetzt wach zu bleiben. In Villach steigen viele Fahrgäste aus (der Wagen war gut ausgelastet), die Autotransportwagen werden ab- und stattdessen zwei serbische Sitzwagen angehangen, die bis Belgrad fahren. Nach zwanzig Minuten setzen wir die Fahrt nach einem Fahrtrichtungswechsel fort. Kurz nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof von Villach fährt der Zug dabei über die Drau. Die Kulisse mit der aufgehenden Sonne ist großartig:

Auf der Karawankenbahn geht es nun bis zum Karawankentunnel, u.a. vorbei am Faaker See. Muss ich bei diesen Bildern noch irgendetwas dazu schreiben?

Während wir durch den Karawankentunnel fahren, lege ich mich dann doch nochmal hin und döse bis Ljubljana noch etwas vor mich hin.

In Ljubljana verlassen erneut viele Fahrgäste den Wagen. Danach sind wir nur noch zu viert: Ein Einzelreisender, eine Mutter mit Kind und ich. Offenbar lässt sich dieser Nachtzug dadurch gewinnbringend (?) betreiben, dass ihn viele nicht auf der kompletten Strecke fahren und dass es mehrere attraktive Ziele gibt (Zürich und Vorarlberg auf der einen – Kärnten, Slowenien und Zagreb auf der anderen Seite).

Nach dem Halt in Ljubljana führt die Fahrt größtenteils (landschaftlich schön) entlang der Save.

Leider ist mein Fenster ziemlich dreckig (Wasserflecken), sodass ich die Fahrt einfach nur genieße und kaum Fotos mache. Der freundliche Schlafwagenschaffner bringt mir irgendwann mein Frühstück, was zu meiner Überraschung üppiger ist, als ich es erwartet habe. Neben dem üblichen 7-Day Croissant (welches ich aufgrund meiner Allergien nicht vertrage) gibt es sogar noch so eine Art Hot-Dog-Brötchen und Marmelade, mit der ich das Brötchen beschmieren kann. So kann sogar ich etwas essen. Außerdem gibt es einen Kaffee.

Der Schlafwagenschaffner fragt nun uns verbleibende Fahrgäste, wie weit wir denn fahren wollen. Der Zug fährt nämlich weiter bis Belgrad (mit den in Villach angehangenen Wagen), aber der Nachtzug-Teil endet in Zagreb. Der Einzelreisende und ich fahren nur bis Zagreb und bleiben daher im Wagen. Die Mutter mit Sohn will weiter fahren, so empfiehlt der Schaffner ihnen, bereites vor dem Grenzbahnhof Dobova im Zug nach vorne in die Wagen nach Belgrad zu gehen. Als wir dann in Dobova einfahren, sind wir im Wagen (mit dem Schaffner) nur noch zu dritt. Nach dem Lokwechsel dauert es eine Ewigkeit, bis endlich die Grenzer zur Passkontrolle kommen. Das geht in unserem Wagen bei zwei Passagieren natürlich sehr schnell und kurz danach fährt der Zug auch ab. Eine halbe Stunde dauert nun die Fahrt noch, bis wir (fast pünktlich)  den Zagreber Hauptbahnhof (Glavni Kolodvor) erreichen.

Während die Nachtzugwagen abgehangen werden, begrüßt mich mein Kumpel, der ab sofort mit mir reist. Da es nicht mein erster Besuch in Zagreb ist, verbringen wir den Tag nicht mit dem üblichen Touristen-Programm. Er zeigt mir sein Zimmer in Zagreb, wir kochen etwas gemeinsam zu Mittag und schauen uns am Nachmittag in einer Kneipe im Fernsehen noch ein Spiel aus der kroatischen Fußballliga an. Zwischendurch drehen wir eine kurze Runde durch die Stadt. Daher an dieser Stelle nur ein Alibi-Bild vom Hauptplatz in Zagreb:

Nachdem wir in einem Restaurant in der Zagreber Innenstadt noch zu Abend gegessen haben, rückt die Abfahrtszeit des Nachtzuges nach Split näher.

Der Zug besteht jetzt in der Nebensaison nur aus einem Schlaf-, einem Liege-, einem Sitz- und einem Autotransportwagen. Als wir den Zug vor zwei Jahren Anfang September gefahren sind, waren es zwei Liege- und einige (Anzahl weiß ich nicht mehr) Sitzwagen. Als Schlafwagen kommt ein älteres Modell mit zu öffnenden Fenstern und ohne Klimaanlage zum Einsatz.

Innen ist der Schlafwagen in bestem Zustand. Er ist gut gepflegt und sehr sauber. Die WCs scheinen vor einigen Jahren modernisiert worden zu sein, sodass es dort auch nichts zu bemängeln gibt. Allerdings sind in allen Abteilen alle drei Betten aufgeklappt. Das war bei der letzten Fahrt anders. Wir verzichten aber darauf, die Schlafwagenschaffnerin zu bitten, das Abteil auf zwei Betten umzubauen. Am offenen Abteilfenster genießen wir die Ausfahrt aus Zagreb.

Fünf Abteile sind in dieser Nacht mit Fahrgästen belegt. Komischerweise ist die Auslastung damit besser, als bei unserer letzten Fahrt (Hauptsaison, längerer Zug, aber auch nur ein Schlafwagen). Die Bahn ist aber auch faktisch auf der Strecke Zagreb-Split (was die Fahrtzeit angeht) nicht konkurrenzfähig gegenüber dem Straßenverkehr. Schön, dass es diesen Nachtzug trotzdem gibt.

Nach einigen Minuten am offenen Fenster legen wir uns zum Schlafen hin, es ist schließlich schon spät. Zwar gibt es in diesen Schlagwagen eine richtig bezogene Matratze, leider aber keine richtige Bettdecke wie in der vergangenen Nacht. Stattdessen gibt es (ähnlich wie im Liegewagen) nur eine Art Laken und darüber eine blaue Decke. Ich bin kein Freund einer solchen Kombination, da man quasi zwei Decken hat, die man irgendwie übereinander legen muss. Gut, dass es warm genug ist, ich heute die blaue Decke einfach weglegen kann und nur mit Laken schlafe

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