Emslandrunde: Mit besonderen Wagen an die Küste

Nicht immer muss eine Tour über mehrere Tage gehen oder einen Tag völlig ausreizen. Von Münster aus kann man eine wunderbare Tagestour ins Emsland machen, ohne dass man dabei zu früh aufstehen muss und erst im Dunkeln nach Hause kommt. Am Ostersonntag ging es daher nach Norddeich, denn tagtäglich sehe ich in Münster die IC-Züge der Linie 35 in Richtung Emden und Norddeich, aber fast nie steige ich in diese Richtung ein. Das musste ich mal wieder ändern. Herausgekommen ist (ehrlich gesagt) keine richtige Runde, aber „Emslandrunde“ klingt als Titel eines Reiseberichtes so schön 😉

Mit dem IC 2206 geht es morgens um kurz nach halb zehn nach Norddeich Mole. Dort bleiben gute anderthalb Stunden Zeit für einen Spaziergang am Meer, anschließend geht es mit der gleichen Zuggarnitur zurück nach Emden. Dort bleibe ich zwei Stunden und mache einen Spaziergang durch die Stadt bis zum Außenhafen. Dort beginnt der IC 2207, der mich zurück nach Münster (Ankunft gegen halb sieben) bringt.

Ich habe mir die Tour an diesem Ostersonntag aus zwei Gründen ausgesucht: Erstens wollte ich dringend mal wieder die Emslandstrecke fahren und zweitens ist heute ausschließlich im äußersten Nordwesten von Deutschland etwas Sonnenschein und blauer Himmel angekündigt. Im Rest des Landes regnet es, auch in Münster, als der IC nach Norddeich einfährt.

Ursprünglich hatte ich mich auf eine bunt zusammengewürfelte Zuggarnitur mit ex Interregio-Wagen (u.a. einen Steuerwagen) und deklassierten Abteilwagen (Bwmz*) gefreut. Zu meiner Überraschung fährt ein Zug ein, in dem zumindest die vorderen Wagen alle modernisiert sind. Ich nehme im Steuerwagen (leider Bpmbdzf statt Bimdzf*) Platz. Spätestens die „falschen“ Wagennummern verraten es: Das hier ist eine andere Zuggarnitur, die offenbar abweichend zum Einsatz kommt. Der Zugbegleiter tut allerdings so, als wüsste er davon nichts. Eine Mutter mit Kind sucht nämlich ihren reservierten Platz, doch den Wagen gibt es nicht. Der Schaffner sagt ihr (freundlich), dass es doch im Wagen genug freie Plätze gebe und sie doch hier volle Auswahl (auch bei der Art des Platzes – mit oder ohne Tisch) habe. Das stimmt, aber die Frau ist weiterhin irritiert. Man könnte doch den Fahrgästen sagen, dass es eine andere Garnitur ist, statt sie verdutzt zurück zu lassen mit dem Hinweis, dass es doch genug Plätze gebe. Manchmal helfen vernünftige Erklärungen, um viel mehr Verständnis für die Bahn zu haben.

Ohne größere Highlights verläuft die weitere Fahrt. Draußen ist das Wetter nicht schön und eine spannende Landschaft gibt es an der Strecke auch nicht wirklich zu sehen. Trotzdem freue ich mich, mal wieder hier unterwegs zu sein. Zwischen Lathen und Dörpen kann ich in Fahrtrichtung rechts den Fahrweg der ehemaligen Transrapid-Versuchsanlage in der Ferne sehen. Ich hatte damals die Möglichkeit, kurz vor dem tragischen Unfall, einmal mit dem Transrapid zu fahren. Es war beeindruckend! Schade, dass die Strecke mittlerweile außer Betrieb ist und niemand mehr diese spannende Fahrt durch das Emsland erleben kann.

Zwischen Emden und Norden wird das Wetter dann tatsächlich besser und ich sehe die ersten blauen Fetzen am Himmel. Erst direkt an der Küste wird es dann richtig sonnig. Pünktlich erreicht mein Zug Norddeich Mole.

Der Bahnhof „Norddeich Mole“ ist in gewisser Weise schon ein Kuriosum. Es handelt sich dabei quasi um ein Stichgleich direkt zum Fähranleger, welches in nördlicher Richtung aus dem Bahnhof von Norddeich herausführt. Dabei trennt beide Bahnhöfe (und auch beide Bahnsteige) nur ein Bahnübergang. Nachdem alle Fahrgäste ausgestiegen sind, fährt der Zug deshalb auch wieder zurück in den Bahnhof Norddeich in die Abstellung. Ich mache mich auf zu einem kurzen Spaziergang über den Deich und ans Meer.

Die Sonne knallt zwar, dennoch ist es sehr kalt und man hält es nur mit Handschuhen und Mütze aus. Dazu trägt auch der Wind bei. Trotzdem genießen viele Leute an diesem Ostersonntag das tolle Wetter hier. Ich habe wirklich das richtige Ziel gewählt, wenn man bedenkt, dass es im Rest von Deutschland gerade regnet (oder zumindest sehr grau ist).

Ich gehe die komplette Mole bis zur Hafeneinfahrt ab und kann die Fähren nach Norderney und Juist beobachten. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, mal wieder hierhin zu fahren. Demnächst müsste ich die Tour nochmal erweitern und mit der Fähre tatsächlich nach Norderney übersetzen. Heute geht es für mich aber zurück zum Bahnhof.

Einige Minuten vor der Abfahrt wird dann mein IC wieder in den Bahnhof geschoben. Nun habe ich Zeit, mir die Garnitur mal genauer anzuschauen. Sie besteht fast ausschließlich aus modernisierten IC-Wagen und ich stelle nach kurzer Zeit fest, dass es die Garnitur sein muss, die werktags den Sprinter-IC zwischen Köln und Hamburg fährt. Offenbar ist die Garnitur sonntags in Köln arbeitslos und man hat sie heute eingesetzt, weil die geplante Garnitur (aus welchen Gründen auch immer) nicht verfügbar war.

Darauf, dass es die Sprinter-Garnitur ist, komme ich, da als Wagen 11 eine ehemaliger Touristikzugwagen eingereiht ist. Ich kenne diese Wagen von Berichten im Internet, bin aber noch nie selbst damit gefahren. Das muss ich jetzt natürlich ändern. Erst einmal erkunde ich den Wagen aber: Es gibt ein Gepäckabteil, ein „normales“ Abteil (mit sechs Sitzen), ein „Gastro-Abteil“ mit Kühlschräken und Mikrowellen und ansonsten „doppelte“ Abteile. Auch die Sitze kennt man aus den restlichen Zügen der DB so nicht:

Der Bistro-Bereich ist leider nicht geöffnet, denn der Zug fährt planmäßig ohne Bewirtschaftung. Auch auf der Rückfahrt gibt es vom Zugpersonal keinen Hinweis darauf, dass dies nicht die reguläre Zuggarnitur ist.

Die Fahrt bis Emden verläuft in diesem interessanten Wagen viel zu schnell. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass man in so einem Wagen gut in den Urlaub fahren kann. Die Abteile bieten viel Platz für Gepäck (und zusätzlich gibt es ja auch noch das Gepäckabteil) und es gibt große Tische, auf denen man ganze Gesellschaftsspiele mit der Familie spielen könnte.

In Emden Hbf könnte ich in zwei Stunden mit dem nächsten Takt zurück nach Münster fahren, aber das wäre ja langweilig. Der nächste Zug kommt nämlich nicht aus Norddeich, sondern aus Emden Außenhafen. Auch dieser Bahnhof dient (ähnlich wie Norddeich Mole) eigentlich nur dazu, den Übergang von der Fähre von Borkum auf den Zug zu gewährleisten. Da ich aber neugierig bin, möchte ich mir das natürlich anschauen.

Zunächst geht es aber durch die Innenstadt von Emden:

Anschließend geht es an der Klappbrücke vorbei, über die die Züge das Emder Fahrwasser überqueren.

Nach einigen Metern erreicht man dann den Beginn der Stichstrecke nach Emden Außenhafen. Die Strecke ist etwa drei Kilometer lang, eingleisig und wurde 2006 elektrifiziert. Größtenteils verläuft sie schnurgerade und ich kann auf der parallel verlaufenden Straße direkt neben der Bahnstrecke laufen.

An der Strecke gibt es viele kleine unbeschränkte Bahnübergänge, die jeweils auf die Hafengelände auf der anderen Seite der Bahnstrecke führen. Die Strecke zu Fuß zu gehen, zieht sich ein bisschen, aber nach einer halben Stunde (von der Klappbrücke aus) erreiche ich den Bahnhof Emden Außenhafen.

Der Intercity steht bereits bereit und dürfte hier auch schon seit zwei Stunden stehen, seit er hier angekommen ist. Nur wenige Züge befahren die Stichstrecke von Emden Hbf zum Außenhafen (jeweils mit Anschluss zur/von der Fähre nach Borkum), daher kann man einen Zug auch schon mal so lange am Bahnsteig warten lassen. Obwohl es noch zwanzig Minuten bis zur Abfahrt sind, scheint die Fähre bereits angekommen zu sein und die Fahrgäste sitzen bereits im Zug. Das Reisendenaufkommen ist überschaubar, aber es ist sicherlich trotzdem sinnvoll, Reisenden die Möglichkeit zu geben, direkt vom Zug auf die Fähre umzusteigen. Für mich bleibt noch Zeit, einige Fotos von Zug und Bahnhof zu machen.

Jetzt habe ich Glück, denn es kommt die reguläre Garnitur zum Einsatz (so sollte auch heute Morgen der Zug gebildet sein). Wobei, eine positive Überraschung gibt es sogar noch zusätzlich: Denn neben dem planmäßig eingereihten Wagen der Bauart Bwmz 111.5* kommt (als Ersatz für einen anderen Wagen) noch ein Bwmz 111.6* zum Einsatz. Diesen Wagen begegne ich leider immer seltener, dabei sind sie von innen besonders schön  mit ihrer historischen „Holzvertäfelung“.

In diesem tollen Wagen geht es nun zurück nach Münster. Mit 40 km/h schleichen wir zunächst bis zum Emdener Hauptbahnhof, nach gut zwanzig Minuten Aufenthalt geht es dann weiter nach Münster. Auf der Rückfahrt steigt in Emden Hbf sogar (ohne, dass es laut den Infos im Fahrplan vorgesehen ist) eine Gastro-Mitarbeiterin mit Snack Caddy zu, sodass ich auf der Rückfahrt noch ein kaltes Getränk genießen kann. Gegen kurz vor halb sechs erreiche ich pünktlich den Münsterschen Hauptbahnhof und stelle mal wieder fest: Auch so kleine Touren können einem richtig Freunde bereiten.

*Hinweis:  Einige Passagen dieses Reiseberichtes sind etwas nerdig (Stichwort Bauarten von Reisezugwagen). Das ist mir bewusst und tut mir leid 😉 Wer auch diese Passagen verstehen möchte, dem seien diese Seite und diese Seite empfohlen.

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