Mit dem Zug nach Sizilien

Heute steht ein Tag in Rom auf dem Programm. Abends geht es mit dem Nachtzug zurück nach Deutschland. Da das hier ein Bahn-Reiseblog ist, beschränke ich die Darstellung des Tages in Rom auf wenige Fotos:

Circus Maximus

Kolosseum

Forum Romanum

Blick vom Viktor-Emanuelsdenkmal

Petersplatz

Trevi-Brunnen

Für die Rückfahrt nach Deutschland nutzen wir den nightjet nach München. Wir sind ein bisschen geizig gewesen (vielleicht auch zu geizig) und haben nur den Sitzwagen gebucht und leider war auch kein Privatabteil möglich.

Es kommt, wie es kommen muss: Die Sitzwagen des Nachtzuges sind bis auf den letzten Platz ausgebucht und auch unser Abteil ist mit sechs Personen voll. Aber viel mehr Glück als wir kann man mit seinen Mitfahrern wohl nicht haben. Mit uns reist eine Familie aus Nordbayern mit zwei Kids (ein Mädchen, schätzungsweise 6-7 Jahre, und eine Junge, der vielleicht 10-11 Jahre alt ist). Wir kommen sofort ins Gespräch und die die Mitfahrer stellen sich als sehr nett heraus. Mein Kumpel und ich haben die Fensterplätze im Abteil, die Familie belegt die Mittel- und Gangplätze.

Dank der frühen Abfahrt in Rom (ca. 19.00 Uhr) denkt natürlich zunächst noch keiner ans Schlafen. Mein Kumpel und ich spielen mit einer Handy-App das Spiel „Hangman“. Daraufhin will die Tochter der Familie mit das Spiel auch unbedingt mit ihrer Mutter spielen. Die beiden nutzen aber die „analoge Variante“ mit Stift und Papier.

Gegen 21.30 Uhr hält der Zug in Florenz und hat dort (dank Kopfbahnhof und dem damit verbundenen Richtungs- und Lokwechsel) eine knappe halbe Stunde Aufenthalt. Ich schnappe deshalb noch etwas frische Luft auf dem Bahnsteig. Es ist angenehm warm draußen an diesem Abend.

Nach der Abfahrt in Florenz kommt noch einmal ein neuer und gut gelaunter italienischer Schaffner durch den Wagen und kontrolliert die Fahrscheine. Die meisten italienischen Schaffner habe ich bisher eher als trocken und nicht sehr redegewandt wahrgenommen. Er ist da eine wirkliche Ausnahme, verbreitet gute Laune und wünscht freudig allen Fahrgästen eine gute Nacht auf Italienisch und Englisch.

Kurze Zeit später schalten wir im Abteil das Licht aus und Teile der Familie versuchen, etwas Schlaf zu bekommen. Ich dagegen fühle mich noch ziemlich fit und kann mir auch gerade kaum vorstellen in diesem engen Abteil im Sitzen großartig zu schlafen. Deshalb beobachte ich die dunkle Landschaft draußen und lese mir gleichzeitig auf meinem Handy Wikipedia-Artikel zu den Strecken durch, die wir gerade befahren. Bologna erreichen wir mit ca. 20 Minuten Verspätung. Warum die Italiener es immer wieder schaffen, diesen Zug zu verspäten, ist mir nicht ganz klar. Regelmäßig wird der Nachtzug deutlich zu spät an der Grenze zu Österreich übergeben (1-2 Stunden sind da auch nicht so selten). Von Bologna aus geht es dann ohne offiziellen Halt die vier Stunden bis zum Grenzbahnhof Tarvisio Boscoverde. Wir fahren über Padua, Venedig und Udine. Ich bin weiterhin fit und verfolge die Fahrt auf meinem Handy. Da ich ja zuhause in Ruhe den Schlaf nachholen kann, ist es irgendwie auch mal spannend, im Sitzwagen mal etwas von einer Nachtzugfahrt mitzubekommen. Gleichzeitig sehe ich, wie die beiden Kids in den Armen ihrer Eltern schlummern, gut behütet. Irgendwie macht mich dieser Anblick glücklich. Es ist eine so schön friedliche Situation wie aus dem Bilderbuch. Es ist mitten in der Nacht, ich bin irgendwo in Norditalien in einem Nachtzug, ich könnte schlafen, ich muss aber nicht unbedingt, ich habe tolle Mitfahrer – all das zusammen lässt mich auf einer Ebene entspannen, die sich einfach nach purer Freiheit anfühlt.

In der App von trenitalia beobachte ich, dass unser Zug seine Verspätung langsam abbaut. Normalerweise läuft es bei diesem Zug umgekehrt. Am Ende kommen wir am Grenzbahnhof Tarvisio tatsächlich fünf Minuten zu früh an. Das habe ich bei all meinen bisherigen Fahrten mit diesem Zug noch nie erlebt. In Tarvisio geht dann die österreichische Polizei kurz durch den Zug. Im Nebenanteil kontrollieren sie einen Mann ausführlicher (aber leise – ohne dabei die anderen Abteile aufzuwecken), an unserm Abteil gehen sie nur kurz vorbei, blicken rein, lächeln bei Anblick der beiden schlafenden und gehen (ohne etwas zu sagen) weiter.

Fast pünktlich geht es nun auch die 20 Minuten weiter nach Villach. Dort kann ich dann das Rangieren beobachten. Der Zugteil nach Wien wird abgehängt, dafür bekommen wir einen Zugteil aus Mailand angehangen. Das alles dauert eine gute halbe Stunde und mit ein paar Minuten Verspätung fahren wir weiter über die Tauernbahn.

Ohne dass ich es geplant hätte und vorher gemerkt habe, schlafe ich offensichtlich ein. Zumindest wache in Bischofshofen wieder auf und kann mich an den Abschnitt dazwischen nicht erinnern.

Kurz vor Salzburg beginnt es dann zu dämmern und ich kann die schneebedeckten Berge sehen. Bei diesem Anblick bin ich schlagartig wieder wach und genieße immer noch eine Situation, die ich als extrem positiv wahrnehme. Klar, durch die Müdigkeit nimmt man Dinge aber natürlich immer auch noch emotionaler wahr.

Fast pünktlich fahren wir in Salzburg ein. Nun passiert wieder das, worüber ich irgendwann vielleicht doch einmal sauer ein Pamphlet schreiben muss: Die völlig unnötige und bescheuerte Grenzkontrolle der deutschen Bundespolizei. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Diese Aussage richtet sich nicht gegen die einzelnen Polizisten, die dort auch nur pflichtbewusst ihren Dienst verrichten. Diese Aussage richtet sich gegen die politischen Entscheidungsträger, die diesen Blödsinn seit 2015 verzapfen und zur Beruhigung ihrer Wähler meinen, dass diese Grenzkontrollen immer noch notwendig seien.

Jedenfalls wird wieder durch den Wagen gebrüllt: „Die Ausweise bitte!!!“ und jeder muss seinen Ausweis vorzeigen. Dabei lassen sich die Polizisten auch alle Zeit der Welt, sodass aus den planmäßigen 12 Minuten Aufenthalt in Salzburg ca. 40 Minuten werden. Wenn der Wille der Politik da wäre, könnte man sicher auch während der Fahrt kontrollieren.

Am Ende hängen wir wegen der Verspätung noch hinter Regionalzügen fest, können die Züge aber jeweils irgendwann überholen.

Auch die Fahrt durch das Alpenvorland ist wunderschön. Das Wetter ist schön und die schneebedeckten Berge glänzen in der Sonne. Wir können dann doch noch etwas Verspätung aufholen und kommen schließlich ca. zwanzig Minuten zu spät in München an.

Die Rückfahrt nach Münster erfolgt dann mit dem ICE Westfalen über Würzburg – Kassel – Paderborn.

Ergänzung: Fahrkarten & Kosten

Da die Nachfrage kam, hier eine Auflistung der genutzten Fahrkarten und Kosten (Preise pro Person, ggf. mit BahnCard 25 oder ÖBB Vorteilscard):

  • Münster – Düsseldorf: DB Sparpreis-Ticket: 14,90 Euro
  • Düsseldorf – Innsbruck: ÖBB nightjet-Ticket im Sondertarif „Sitzwagen Privatabteil“: Festpreis 99 Euro (bei zwei Personen also 49,50 Euro pro Person)
  • Innsbruck – Bozen: ÖBB Standard-Ticket 21,30 Euro
  • Bozen – Verona: trenitalia Standard-Ticket (Regionalverkehr) 14,55 Euro
  • Verona – Mailand: trenitalia Standard-Ticket (Regionalverkehr) 12,75 Euro
  • Mailand – Palermo: trenitalia „Economy-Posto Doppio – Compart. Intero“ 84,90 Euro
  • Palermo – Catania: trenitalia Standard-Ticket (Regionalverkehr) 13,50 Euro
  • Catania – Syrakus: trenitalia Standard-Ticket (Regionalverkehr) 6,90 Euro
  • Syrakus – Rom: trenitalia „Super Economy-2ªCLASSE“ 22,90 Euro
  • Rom – München: ÖBB nighjet Sparschiene-Ticket Einzelplatz im Sitzwagen 39 Euro
  • München – Münster: DB Sparpreis-Ticket ca. 40 Euro (genauer Preis liegt mit gerade nicht vor)

Wir hatten die Tour bereits frühzeitig (Mitte November 2018) gebucht und dadurch noch sehr günstige Preise erhalten.

5 Gedanken zu „Mit dem Zug nach Sizilien“

  1. Interessanter Bericht mit schönen Fotos und Video. Was ich noch cool fände: Eine Übersicht über die Kosten und wie bzw. über welche Wege ihr Züge und Unterkünfte gebucht habt. Vielleicht kannst du das ja nachreichen 🙂

  2. Sehr schöner Bericht mit super Bildern und gut erzählt. Erinnert mich an meine eigene Fahrt die ähnlich verlief (Kombination aus Tag- und Nachtzügen).

    Es muss nicht immer das Flugzeug sein um einen entspannten Urlaub zu verbringen, gerade Italien ist mit dem Zug eben sehr gut erreichbar, sowohl per Tagzug als auch per Nachtzug.

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