Mit dem Zug nach Sizilien

Tag 5

Heute steht die Rückfahrt auf das Festland an. Wir haben uns dabei den Intercity nach Rom ausgesucht. Es gibt jeden Tag bei IC-Zugpaare Sizilien-Rom. Wir nehmen dabei haute den Frühzug mit einer Abfahrt in Syrakus gegen halb acht.

Der Zug startet hier mit vier Wagen (3x 2. Klasse, 1x. 1. Klasse), in Messina kommen weitere drei Wagen (nur 2. Klasse) aus Palermo hinzu. Wir haben Plätze im letzten Wagen reserviert und sind dabei zunächst die einzigen Fahrgäste. Die anderen Wagen sind voller.

Der Wagen wirkt modern, sauber und in gutem Zustand. Alle Jalousien sind zugezogen. Vermutlich scheint man das hier über Nacht in der Abstellung so zu machen. Ich öffne einige, um etwas Tageslicht in den Wagen zu lassen. Neben dem Tageslicht fehlt aber noch eine andere Sache: Wärme. Es ist kalt im Wagen und die Heizung scheint nicht zu funktionieren. Der mittelalte Zugbegleiter ist auch schon kräftig am Schaltschrank des Wagens am rumwerken. Irgendwann, kurz nach der Abfahrt, bekommt er die Heizung dann Gott sei Dank zum Laufen. So ganz ordentlich wird sie aber die ganze Fahrt über nicht arbeiten. Immer wieder wird es im Wagen sehr warm, dann übertreibt es die Klimaanlage mit dem runterkühlen und dann geht der Kreislauf wieder von vorne los.

Kurz nach der Abfahrt macht der Zugbegleiter tatsächlich eine Willkommensansage auf Italienisch und auf Englisch. Der sizilianische Schaffner sagt auch alle weiteren Halte bis Messina an. Auf dem Festland erfolgen dann wieder keine Durchsagen mehr.

Zunächst fahren wir nun die Strecke, die wir gestern schon gefahren sind, bis Catania. Es gibt wieder schöne Ausblicke auf den Ätna.

Ab Catania ist die Strecke dann für uns neu und wir fahren küstenseitig am Ätna vorbei und können ihn daher noch aus anderen Perspektiven sehen.

Offenbar kommt tatsächlich Rauch aus dem Ätna:

Auch nachdem wir am Ätna vorbeigefahren sind, bleibt die Strecke extrem schön. Wir fahren direkt am Meer entlang, an Buchten und tollen Stränden vorbei.

Der Zug füllt sich bis Messina nach und nach mit ein paar Fahrgästen. Er bleibt aber recht leer und in unserem Wagen sitzen dann neben uns bei der Abfahrt in Messina noch drei Fahrgäste.

Der Zug soll für die Fahrt von Syrakus bis Messina eigentlich knapp zweieinhalb Stunden brauchen. Ohne erkennbaren Grund (z.B. längerer Stillstand) bauen wir aber immer mehr Verspätung auf und erreichen Messina mit ca. + 20. Der Zugteil aus Palermo ist schon längst eingetroffen und wird an unseren Zug angekuppelt. Anschließend werden wir schnell auf die Fähre geschoben, damit der Nachtzug (das kennen wir ja schon von der Hinfahrt) auf dem Festland nicht noch länger auf uns warten muss.

Für den kürzeren Intercity reichen auf der Fähre zwei der vier Gleise. Wir sitzen in dem Wagen, der vorne vom restlichen Syrakus-Zugteil abgekuppelt wird und mit den drei Wagen aus Palermo auf das zweite Gleis geschoben wird. Als wir auf der Fähre zum Stillstand kommen, möchte ich aussteigen, um wieder frische Luft zu genießen. Ich sehe auch schon aus dem Fenster, dass aus dem Wagen gegenüber Leute aussteigen, also scheint das jetzt ja möglich zu sein. Ich gehe also zur Tür: Sie ist verschlossen. Weder rechts noch links geht es raus. Also laufe ich zum anderen Wagenende, an dem die Wagen aus Palermo angekuppelt worden sind. Auch dort lässt sich keine Tür öffnen und noch besser: Man hat die Wagen zwar aneinander gekuppelt, aber den Durchgang zum Nachbarwagen noch nicht eingerichtet. Auch die Durchgangstür ist also verschlossen. Somit kann ich nun während der kompletten Überfahrt beobachten, wie Fahrgäste aus allen Wagen aus- und einsteigen, nur an unserem Wagen geht keine Tür auf und niemand vom Personal scheint sich dafür zu interessieren. So habe ich mir die Überfahrt nun wirklich gar nicht vorgestellt. Immerhin steht unser Wagen ganz vorne auf der Fähre im Tageslicht und nicht im dunklen Schiffsbauch, wie die hinteren Wagen. Mehr als den blauen Himmel kann ich aber trotzdem nicht sehen.

Wenn ich diesen Zug noch einmal fahre, werde ich auf jeden Fall einen anderen Wagen nehmen, damit ich nicht an der Schnittstelle zwischen beiden Zugteilen hänge und nicht in den Nachbarwagen kann.

Irgendwann ist dann diese langweilige Überfahrt, bei der ich nichts sehen kann, auch vorbei und wir werden wieder von der Fähre gezogen. In Villa San Giovanni wartet dann – wie auf der Hinfahrt – der Nachtzug darauf, auf die Fähre geschoben zu werden. Wir werden an den Bahnsteig rangiert und nachdem wieder eine gute halbe Stunde lang nichts passiert, fahren wir mit etwa 10 Minuten Verspätung los.

Der Zug rast nun die Küste entlang in Richtung Norden. Die Geschwindigkeit ist wirklich sehr sehr ordentlich, dafür, dass es keine Hochgeschwindigkeitstrecke ist. Die Fahrt kommt uns noch viel schneller als auf der Hinfahrt vor, denn wir halten viel seltener. Der Nachtzug hat zwischen Salerno und Villa San Giovanni 14 Zwischenhalte, der Intercity nur drei. Außerdem ist das Wetter heute deutlich besser als auf der Hinfahrt. Stundenlang geht es jetzt traumhaft am Meer entlang. Da nach wie vor unser Wagen sehr leer ist, setze ich auf einen anderen Platz auf der Meeresseite und träume bei dem Blick nach draußen vor mich hin.

Einen Speisewagen führt der Zug übrigens nicht und da uns auch die Verpflegung (zumindest mit einem kalten Getränk) auf der Fähre verwehrt wurde, sind wir dankbar, dass wir in Syrakus wieder ordentlich im Supermarkt eingekauft hatten.

Zwischenzeitlich hält der Zug in einem Bahnhof, in dem wir eigentlich keinen Halt haben. Fast eine halbe Stunde stehen wir dort (natürlich ohne Durchsage), dann geht es weiter. Auf der Strecke sehe ich dann Bauarbeiten, weshalb sie nur einspurig befahren werden kann. Deshalb haben wir also nun Verspätung.

Nach mehreren Stunden gibt es auch eine kurze Passage im Inland, dann geht es wieder zurück an die Küste.

Am Nachmittag, gegen kurz vor vier, erreichen wir dann Salerno. Hier gibt es (wie offensichtlich auch im Nachtzug) recht regen Fahrgastwechsel. Salerno ist der südliche Endpunkt des „echten“ Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Italien.

Auf der weiteren Fahrt kommt dann der zweite bekannte Vulkan für heute in Sicht: Der Vesuv.

Wir fahren quasi am Vesuv vorbei und auf der anderen Seite des Berges (von Salerno aus gesehen) liegt dann  Neapel.

Unser Zug hält im Bahnhof Napoli Centrale und der Großteil der Fahrgäste steigt aus. Von hier aus könnte man die Fahrt nach Rom auch abkürzen und mit dem Hochgeschwindigkeitszug weiterfahren. Aus preislichen Gründen bleiben wir aber im Intercity, der die Küste entlang fährt und zwei Stunden bis Rom braucht (die HGV-Züge brauchen ca. eine Stunde).

Auf der weiteren Fahrt wird es langsam dunkel, deshalb noch ein letztes Bild:

Anders als bei der Hinfahrt, sind wir so langsam auch froh, dass wir nun endlich in Rom ankommen. Die Verspätung haben wir unterdessen auf 40 Minuten ausgebaut.

Die Fahrt war lang, ich kann sie aber dennoch jedem nur empfehlen. Die Kombination, bei der Fahrt nach Sizilien eine Fahrt mit dem Nacht- und eine mit dem Tageszug zurückzulegen, ist optimal.

5 Gedanken zu „Mit dem Zug nach Sizilien“

  1. Interessanter Bericht mit schönen Fotos und Video. Was ich noch cool fände: Eine Übersicht über die Kosten und wie bzw. über welche Wege ihr Züge und Unterkünfte gebucht habt. Vielleicht kannst du das ja nachreichen 🙂

  2. Sehr schöner Bericht mit super Bildern und gut erzählt. Erinnert mich an meine eigene Fahrt die ähnlich verlief (Kombination aus Tag- und Nachtzügen).

    Es muss nicht immer das Flugzeug sein um einen entspannten Urlaub zu verbringen, gerade Italien ist mit dem Zug eben sehr gut erreichbar, sowohl per Tagzug als auch per Nachtzug.

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