Nonstop von Österreich in die Türkei

Es ist vielleicht der außergewöhnlichste Zug, den es in Europa gibt: Seit Jahrzehnten fährt im Sommerhalbjahr der „Optima Express“ auf den Spuren des Orient Express von Villach, im Süden Österreichs, bis in die Türkei. Endstation: Edirne – kurz hinter der bulgarisch/türkischen Grenze. Ein Freund und ich hatten diesen Zug, um den sich viele Mythen ranken, schon lange auf unserer Liste und haben Anfang September 2023 dann endlich die Reise angetreten.

Die Fahrt startet in Villach. Durch den Karawankentunnel geht es bis Jesenice, wo bereits ein erstes Mal die Lok gewechselt wird. In der Nacht fahren wir durch Slowenien, zwischen Ljubljana und Zagreb entlang der Save. Auch Kroatien durchqueren wir noch im Schlaf und wachen kurz vor der serbischen Grenze auf. In Tovarnik und Šid erfolgen die kroatische Ausreise- und die serbische Einreisekontrolle. Tagsüber geht es über Belgrad bis nach Niš, wo der Zug mit ordentlich Verspätung am Abend eintrifft. Eine Diesellok zieht uns bis nach Dimitrovgrad, wo wir Mitten in der Nacht von den serbischen Grenzern geweckt werden. Nach dieser Passkontrolle werden wir wenige Kilometer weiter erneut geweckt, in Kalotina für die bulgarische Eisreisekontrolle. Sofia passieren wir noch im Schlaf, am Mittag erreichen wir dann die bulgarisch/türkische Grenze mit komplizierten Einreiseformalitäten, bis wir mit neun Stunden Verspätung Edirne erreichen.

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Vom Vindobona bis nach Salzburg

Vindobona – das ist nicht nur der lateinische Name der Stadt Wien, sondern – daran angelehnt, der Name eines über Jahrzehnten verkehrenden Zuges zwischen Berlin und Wien über Prag. An beiden Enden wurde dieser Zuglauf zeitweise noch weiter verlängert. Das erste Mal mit dem „Vindobona“ in Kontakt kam ich im Sommer 2014. Mit meinem besten Freund war ich mit dem Deutschland-Pass unterwegs und auf dem Weg von Dresden nach Berlin. Zufällig erwischten wir damals diesen Zug, der für ein paar Fahrplanjahre den doch beeindruckenden Laufweg Villach – Hamburg hatte und aus ÖBB-Wagen bestand. Über die Historie des Zuges las ich es später. Da war es jedoch zu spät, ihn noch auf dem kompletten Laufweg zu fahren. Ende 2014 wurde der Vindobona nach mehreren Jahrzehnten eingestellt, die Direktverbindung (im Tagesverkehr) zwischen Berlin und Wien entfiel. Damit hätte die Geschichte des Vindobona enden können, doch es kam anders. Mitte 2020, mitten in der Corona-Pandemie, kam der Zug zurück: Als einer der zweistündlichen railjets auf der Relation Prag – Graz von und nach Berlin verlängert wurde. Damit war die Direktverbindung wieder da, mit einem nochmals neuen Endbahnhof – Graz. Zum Einsatz kommt normalerweise ein railjet-Fahrzeug der tschechischen Bahn. Für mich war klar: Jetzt musst du diesen Zug auch endlich mal fahren! Doch die stundenlange Fahrzeit, die während der Pandemie mit stundenlangem Maske-Tragen am Stück verbunden war, hatte mich zunächst abgeschreckt. Als im Laufe des Jahres 2022 die Masken in Tschechien und Österreich gefallen waren, hatte mich die Fahrt aber wieder angelacht. Erst recht, als ich erfahren habe, dass der Vindobona Ende 2022 schon wieder eingestellt werden soll – wegen Bauarbeiten im deutschen Elbtal. So bleibt zu hoffen, dass er danach noch einmal zurückkommt. Es war aber sprichwörtlich letzte Eisenbahn, als ich mich Ende November auf dem Weg nach Berlin machte.

Mit dem Vindobona fahre ich von Berlin über Dresden, Prag und Wien bis Bruck an der Mur. Von dort aus geht es mit der S-Bahn nach Leoben. Ein Intercity bringt mich schließlich nach Salzburg, wo der Tag auf den Schienen endet.

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Arlbergrunde mit Bahn, Bus und zu Fuß

Der Arlberg ist, anders als es der Name vermuten lässt, kein Gipfel. Es handelt sich letztlich um einen Alpenübergang, einen Pass, der das westlichste österreichische Bundesland Vorarlberg von Rest des Landes trennt. Wer von Tirol nach Vorarlberg will, der muss über den Arlberg – über die Passstraße – oder durch den Arlberg – mit dem Zug durch den Eisenbahntunnel zwischen St. Anton und Langen oder per Auto durch den weitgehend parallelen Straßentunnel. Die Region wirbt damit, die Wiege des alpinen Skilaufens zu sein und sie bietet auch landschaftlich unglaublich viel. Die Arlbergstrecke bietet einige spektakuläre Ausblicke, aber in der Mitte der Strecke verschwindet man dann eben für über 10 km im Berginneren – im Arlbergtunnel. Es ist also an der Zeit, sich den Teil des Arlbergs anzuschauen, den man bei der Fahrt durch den Tunnel verpasst.

Die Reise startet in München mit dem EC(E) bis nach Bregenz. Von dort aus geht es mit einem REX bis Feldkirch und dann weiter mit dem EC Transalpin bis nach St. Anton am Arlberg. Es folgt eine Busfahrt nach Langen am Arlberg und anschließend die Wanderung über den Arlbergpass zurück nach St. Anton. Nach der Wanderung geht es weiter mit einem railjet bis nach Innsbruck. Dort unterbreche ich die Reise für eine Stunde und es geht mit dem nächsten Taktzug weiter nach Salzburg, wo der Reisetag endet. Die Tour war Teil einer mehrtägigen Bahnreise. Dies erklärt die unterschiedlichen Start- und Endpunkte. Unterwegs war ich um August 2021.  

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Im umgeleiteten Nachtzug nach Rom und über die Berninabahn zurück

Wenn eine wichtige Bahnstrecke wegen Bauarbeiten gesperrt ist, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder gibt es im Bereich der Sperrung einen Schienenersatzverkehr mit Bussen oder der Zug wird über eine andere Strecke umgeleitet. Die Möglichkeit der Umleitung wird eigentlich nur in Betracht gezogen, wenn es eine alternative Strecke in der Nähe gibt, sodass sich die Fahrt in vertretbaren Rahmen verlängert. Nachtzüge stellen hier eine Ausnahme dar, schließlich möchte man die Fahrgäste wohl in der Regel nicht mitten in der Nacht aus dem Bett holen, sie in einen Bus setzen, um sie auf der anderen Seite der Sperrung (bestenfalls) wieder in den nächsten Schlafwagen einsteigen zu lassen. Das würde DEN Vorteil schlechthin des klassischen Nachtzuges zunichtemachen. Genau aus diesem Grund kann man bei Nachtzügen häufig auch weiträumige Umleitungen erleben, gerade in Österreich.

Im Herbst 2018 war die Tauernbahn zwischen Schwarzach-St.Veit und Villach einen knappen Monat lang gesperrt (konkret im Abschnitt Schwarzach – Böckstein). Der ÖBB nightjet München – Rom wurde in dieser Zeit weiträumig von Bischofshofen über das Ennstal, Leoben und den Neumarkter Sattel nach Villach umgeleitet. Dies sorgte dafür, dass der Zug in München vier Stunden früher losfuhr als gewöhnlich, nämlich um 16 Uhr statt um 20 Uhr. Am Nachmittag schon in einen Nachtzug einsteigen – das wollte ich unbedingt erleben.

Als Rückfahrt beschreibe ich die Fahrt mit dem italienischen Hochgeschwindigkeitsverkehr nach Mailand und weiter über Tirano, die Berninabahn (UNESCO Welterbe) und die Schweiz zurück nach Hause.

Hinweis: Diese Tour hat so nicht stattgefunden. Für diesen Reisebericht habe ich eine Fahrt nach Rom und eine Rückfahrt von Rom über die Berninabahn zu einer Reise zusammengefasst. Tatsächlich bin ich im Herbst 2018 auch wieder mit dem umgeleiteten Nachtzug zurückgefahren und die Fahrt Rom – Tirano – Deutschland habe ich schon mehrmals in den vorherigen Jahren durchgeführt, ohne dass ich nach Rom mit einem umgeleiteten Nachtzug angereist bin. Ich beschreibe eine Rückfahrt aus Rom, die ich mit meinem Vater im Juni 2016 gemacht habe. Dabei greife ich aber nicht nur auf Bilder dieser beschriebenen Rückfahrt zurück sondern nutze auch Bilder weiterer Reisen auf dieser Strecke. Daher bitte nicht wundern, wenn die Fotos teilweise unterschiedliches Wetter/unterschiedliche Jahreszeiten zeigen.

Mit dem ICE geht es von Münster nach München. Mit dem nightjet über die Umleitungsstrecke nach Rom. Nach einem Tag und einer Nacht in Rom geht es mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Mailand und mit der Regionalbahn entlang des Comer Sees nach Tirano. Dort verbringen wir eine weitere Nacht. Der letzte Reisetag führt uns über die Bernina- und Albulabahn nach Chur, entlang des Walen- und Zürichsees nach Zürich und mit einer Tagesrandverbindung zurück nach Münster.

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Bahnerlebnisse am Semmering

Es war das Jahr 2013, als ich den Semmering mehr oder weniger unerwartet kennenlernte. Ich war mit dem „Deutschland-Pass“ (einem Ticket, das es heute leider nicht mehr gibt) einen Monat in Deutschland unterwegs und zwei Tage in Österreich und der Schweiz. Jeweils zwei Tage in unseren beiden Nachbarländern waren 2013 im Ticket inbegriffen. Am ersten Tag fuhr ich nach Wien und verbrachte den Abend und die Nacht dort. Am zweiten Tag plante ich, möglichst viel von Österreich zu sehen. Also sollte es von Wien über Villach, die Tauernbahn, die Salzburg-Tiroler-Bahn und den Arlberg zum Bodensee gehen. Dass es ab Villach bis zum Bodensee immer wieder tolle Bergerlebnisse geben würde, war mir vorab klar. Die Gegend kannte ich von mehreren Familienurlauben mit dem Auto. Über die Fahrt von Wien nach Villach hatte ich mir vorab keine besonderen Gedanken gemacht und auch nicht richtig auf die Karte geguckt. Ich erwartete deshalb nichts Besonderes, als ich in Wien-Meidling in den railjet nach Villach stieg. Welch ein Irrtum! Nach einer knappen Stunde Fahrt wurde das Tal plötzlich sehr eng und die Strecke kurvig. Wir fuhren über Viadukte, durch Tunnels, immer höher und die Aussicht wurde immer besser. Ich war überrascht und begeistert und musste erst einmal im Internet recherchieren, wo ich denn da gelandet bin: Am Semmering.

Die damalige Fahrt hat mich mit einem „Semmering-Virus“ infiziert. Mittlerweile kenne ich die Semmeringbahn in und auswendig, weiß, dass sie eine von nur drei Bahnstrecken weltweit mit UNESCO-Welterbe-Status ist und für mich die wohl schönste Bahnstrecke Österreichs. Ich habe nicht mitgezählt, wie häufig ich seitdem über den Semmering gefahren bin. Es werden weit über 20 Fahrten sein, was für jemanden, der in NRW wohnt, doch recht ungewöhnlich sein dürfte.

Doch nicht nur die Fahrt über den Semmering ist toll, man kann zum Beispiel auch wunderbar entlang der Semmeringbahn wandern. Außerdem lohnt sich auch der Besuch der Lokalbahn Payerbach-Hirschwang (Höllentalbahn), einer Museumsbahn, die am Fuße des Semmerings gleich neben dem ÖBB-Bahnhof Payerbach-Reichenau startet. Empfehlenswert ist auch die Fahrt über den Semmering mit besonderen Regelzügen, etwa dem Nachtzug oder einem der Züge mit besonderen Speisewagen.

Screenshot OpenStreetMap © OpenStreetMap-Mitwirkende

In diesem Bericht geht es zunächst um die Wanderung von Semmering nach Breitenstein, anschließend um die Höllentalbahn und schließlich um besondere Regelzüge auf der Semmeringbahn.

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