Im umgeleiteten Nachtzug nach Rom und über die Berninabahn zurück

Rückfahrt:

Nach einem guten Frühstück geht es mit der U-Bahn wieder zum Bahnhof Roma Termini.

Während der Regionalverkehr in Italien preislich sehr günstig ist und die Züge teilweise noch alt und ranzig sind, ist die Qualität im Hochgeschwindigkeitsverkehr sehr gut. Zwischen Rom und Mailand liegen Luftlinie ca. 480 km, trotzdem kann man die Strecke mit der Bahn in drei Stunden zurücklegen – dank quasi durchgehender Schnellfahrstrecke. Die Wahl hat man dabei zwischen den Zügen der Staatsbahn trenitalia „Frecciarossa“ (roter Pfeil) und der privaten Bahn „Italo“. Beide Anbieter bieten teilweise mehrere Verbindungen pro Stunde mit unterschiedlichen Haltemustern an. Üblich sind Non-Stop-Verbindungen Rom – Mailand und Verbindungen mit Zwischenhalten in Florenz und Bologna. Je nach Verbindung beträgt die Fahrtzeit zwischen knapp drei und dreieinhalb Stunden.

Ich bin die Verbindung bisher drei Male gefahren. Einmal habe ich den Frecciarossa mit Zwischenhalten in Florenz und Bologna genutzt, einmal einen non-stop fahrenden Frecciarossa 1000 (neueres Fahrzeug) und einmal einen non-stop fahrenden Italo. Der Komfort und war in allen drei Fahrzeugen top, der Service auch. Persönlich hat mir die Fahrt mit dem italo am besten gefallen, da dort das Personal besonders zuvorkommend war und bestens Englisch sprach. Bei der geringen Stichprobe mag das aber Zufall gewesen sein und ich möchte daraus nicht eindeutig eine Empfehlung für italo ableiten.

Grob kann man die Fahrt in drei Abschnitte einteilen. Für die Strecke von Rom nach Florenz braucht der Zug zwischen einer und anderthalb Stunden. Es ist der landschaftlich schönste Abschnitt der Tour mit netten Ausblicken nach draußen, die wir teilweise schon von der Hinfahrt aus dem Nachtzug kennen. Der Zug fährt weitgehend durch eine Mittelgebirgslandschaft.

Von Florenz nach Bologna braucht der Zug ca. eine halbe Stunde. Viel sehen kann man in dieser Zeit nicht. Bei Wikipedia steht, dass 71,8 km der 78 km langen Strecke im Tunnel liegen. Mit anderen Worten: Man fährt quasi ausschließlich im Tunnel und erreicht über den letzten Tunnel auch direkt den Tiefbahnhof von Bologna. Erst danach geht es wieder an die Oberfläche.

Für die letzte Etappe Bologna – Mailand braucht der Zug wieder zwischen einer und anderthalb Stunden. Diesen Abschnitt kann man landschaftlich getrost als völlig langweilig bezeichnen. Man fährt quasi durch die platte Landschaft.

Der Reiz auf der Fahrt mit dem italienischen Hochgeschwindkeitsverkehr liegt also nicht in den Ausblicken nach draußen sondern eher darin, dass der Zug über einen (für deutsche Verhältnisse) extrem langen Zeitraum mit um die 300 km/h durch in Italien rast und so in Rekordzeit die Strecke nach Mailand zurücklegt. Außerdem sind die Züge bequem und der Service ist gut. Es lohnt sich, das mal erlebt zu haben.

Kamera aus dem hitneren Führerstand – eingeblendet im Frecciarossa

Die Ankunft in Mailand ist nach dem letzten langweiligen Streckenstück dann aber wieder ein kleines Highlight. Dieses Bahnhofsgebäude ist einfach beeindruckend.

Heute steigen wir in Mailand direkt um auf einen Regionalzug nach Tirano. Dafür müssen wir nur den Bahnsteig wechseln und nicht durch die Bahnsteigsperren, die es in Mailand vor den Bahnsteigen gibt und die nur mit Ticket passiert werden dürfen.

Die Fahrt nach Tirano dauert ca. zweieinhalb Stunden. Teilweise kommen auf dieser Strecke auch schon moderne Triebwagen zum Einsatz, die meisten Züge werden aber mit alten typischen italienischen Regional-Wendezügen gefahren. Die sind zwar innen meist sehr gammelig und man sollte vielleicht nicht unbedingt planen, in diesem Zug auf die Toilette zu gehen, aber auf der anderen Seite haben diese Züge auch ihren ganz eigenen Flair und man kann die Fenster öffnen.

Gerade zu Beginn der Fahrt muss man sich darauf einstellen, dass im Großraum Mailand der Zug sehr voll ist. Ich habe zwar auch schon Fahrten erlebt, bei denen ich offenbar außerhalb der „beliebten“ Zeiten gefahren bin und sich die Auslastung in Grenzen hielt, meist gab es aber im ersten Abschnitt von Mailand über Monza bis nach Lecco viele Stehplätze.

In Lecco ist dann der Comer See erreicht und die Strecke führt eine Dreiviertelstunde bis Colico wunderbar am Ufer entlang. Hier sollte man darauf achten, dass man auf jeden Fall in Fahrtrichtung links sitzt.

Spätestens in Colico leert sich der Zug dann merklich und mit geringer Auslastung geht es dann noch etwa eine Stunde durch das Veltlin über Sondrio bis zum Endpunkt der Strecke in Tirano. Dieser Abschnitt ist ganz nett, aber wahrlich nicht mehr so schön wie die Strecke entlang des Comer Sees.

Wir treffen in Tirano ein und schauen auf die Landkarte im Handy. Es ist schon eine beachtliche Strecke, die wir heute seit Rom zurückgelegt haben.

Einfahrt in Tirano Bahnhof der italienischen Bahn in Tirano

Tirano ist eine 9.000 Einwohner-Gemeinde. Sie liegt an dem Punkt, an dem vom Veltlin das Puschlav abzweigt, welches bereits zur Schweiz gehört. In unmittelbarer Nachbarschaft liegen die beiden Bahnhöfe des Dorfes. Ein Bahnhof gehört der italienischen Bahn und der andere der Rhätischen Bahn. Vom Bahnhof der Rhätischen Bahn werden wir morgen über die Berninabahn fahren.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, schauen wir uns ein bisschen im Dorf um.

Das Wahrzeichen des Ortes ist die Basilika Madonna di Tirano. Eisenbahnfreunden dürfte dieses Bild sehr bekannt vorkommen, denn mitten über den Kreisverkehr vor der Kirche führt die Berninabahn. Ein Zug lässt auch nicht lange auf sich warten.

Langsam und gemächlich fährt der Regionalzug aus Richtung Puschlav beinahe wie als Straßenbahn auf den Kreisverkehr zu. Irgendwann beginnt es zu läuten und die Ampeln an den Einfahrten des Kreisverkehres zeigen für den Autoverkehr rot, der Zug kann ihn queren und fährt die letzten paar hundert Meter wieder auf eigener Eisenbahntrasse in den Bahnhof von Tirano ein.

Wir gehen allerdings noch etwas in Richtung Puschlav. Bereits nach ca. 1,5 Kilometer wäre die Grenze erreicht, wir gehen allerdings nur bis zum Ortsschild und warten dort auf den nächsten Zug. Es ist der Bernina-Express aus St. Moritz, der noch von älteren Triebwagen gezogen wird.

Das soll für heute reichen. Wir essen im Restaurant unseres Hotels zu Abend und gehen dann zu Bett. Morgen wird ein weiterer Tag mit vielen spannenden Eindrücken auf uns warten für den wir fit sein wollen.

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