Go East! Auf Stippvisite in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei

3. Reisetag:

Nach der gestrigen Enttäuschung, habe ich heute eine wirklich erholsame Nacht und schlafe durch. Irgendwann wache ich auf und neben der Jalousie dringt bereits etwas Tageslicht ins Abteil. Ich ziehe die Jalousie hoch und werde mit einem traumhaften Ausblick willkommen geheißen:

(leider auf die Scheibe scharfgestellt)

Was ein Traum! Kann man nicht immer so aufwachen?

Einige Minuten klebe ich förmlich am Fenster bei diesem Ausblick. Ich bin hier ziemlich naiv hingefahren, hatte nur davon gelesen, dass es hier schön sein soll, habe mir aber kaum Bilder angeschaut und wollte mich überraschen lassen. Diese Überraschung ist gelungen! Wie schön ist das hier bitte? Was für ein Glück mit dem Wetter habe ich heute? Und warum habe ich das Gefühl, dass kaum jemand in Deutschland diese Region kennt? Irgendwie sind viele von uns (und da nehme ich mich nicht aus) noch immer so sozialisiert, dass – ausgenommen von Hauptstädten wie Prag und Budapest – östlich von Deutschland und Österreich nicht mehr viel kommt, mit dem man sich beschäftigen muss – zumindest im Urlaubs-Kontext?

Etwa eine Dreiviertelstunde nachdem ich aufgewacht bin, erreicht der Zug Poprad-Tatry am Fuße der Hohen Tatra. Der Zug steht hier knapp 20 Minuten, damit u.a. die Autotransportwagen abgehangen werden können. Dann dauert es noch etwa eine Stunde, bis wir Košice erreichen. Ich bin mittlerweile der einzige Reisende, der noch im Schlafwagen ist.

Der Schlafwagenschaffner verabschiedet mich freundlich und ich habe es im Rückblick dann doch noch einmal geschafft, mit diesem Zug zu fahren, bevor er eingestellt wird. Der Zug, der auch künftig weiter verkehrt, steht noch am anderen Bahnsteig. Es ist der Slovakia, den ist gestern Abend in Prag anderthalb Stunden vor meinem Zug habe abfahren sehen. Er ist mittlerweile geschrumpft und hat nur noch die Wagen, die von Košice noch weiter bis nach Humenné fahren. Wir haben diesen Zug quasi wieder eingeholt.

Der Plan für heute ist im Großen und Ganzen die Strecke tagsüber zurückzufahren, die ich heute Nacht verschlafen habe. Theoretisch könnte ich nun direkt in einen Zug zurück einsteigen, ich gönne mir aber eine Pause von einer Stunde, bis zum nächsten Takt. Nach zwei Tagen mit grauem Himmel und teilweise Regen, freue ich mich über die Sonne und drehe eine kleine Runde durch die Innenstadt von Košice.

Die Stadt macht einen schönen Eindruck. Irgendwann muss ich mit mehr Zeit nochmal in die Region kommen. Ab Bahnhof hängen Fahrpläne aus, welche Züge man von hier aus nehmen könnte. Da gibt es noch viel zu entdecken. Beispielsweise könnte man mal mit einem Zug bis an die Grenze zur Ukraine fahren oder sogar über die Grenze. Jetzt, wo ich hier bin und weiß, wie es hier aussieht, ergeben sich plötzlich ganz viele reizvolle Ziele und man hat zumindest schon einmal ein Bild der Region vor Augen. Das ist für künftige Reisen vorteilhafter, als wenn man zuhause vor dem Bildschirm eine Reise in eine Region plant, in der man noch nie war.

Nun muss ich aber zum Bahnsteig. Der Schnellzug nach Bratislava steht bereits bereit. Es ist ein langer Zug mit acht Wagen der 2. Klasse, einem Speisewagen und einem 1. Klasse-Wagen, Abfahrt: 10.07 Uhr.

Mein Magen meldet sich zu Wort, schließlich habe ich heute noch nichts gegessen. Im Schlafwagen gab es lediglich das 7-Days-Croissant und das vertrage ich, wie bereits erwähnt, nicht. Also führt mich mein Weg direkt in den Speisewagen in der Hoffnung auf ein spätes Frühstück.

Die Tische sind gedeckt, alles wirkt sehr vornehm. So etwas habe ich noch in keinem Speisewagen erlebt. Beim Blick in die Karte gibt es aber eine kleine Enttäuschung: Die Frühstückszeit ist seit 10 Uhr abgelaufen und offenbar gibt es damit kein Frühstück mehr. Ich entscheide mich, darauf zu verzichten zu fragen, ob man eine Ausnahme machen kann und überspringe das Frühstück ganz einfach und esse nun einfach sehr früh zu Mittag. Aus zahlreichen Berichten weiß ich, dass hier im slowakischen Speisewagen noch frisch gekocht wird. Die freundliche junge Kellnerin (spricht perfekt Englisch) nimmt meine Bestellung entgegen und wenig später höre ich aus der Küche schon, wie mein Essen zubereitet wird.

Zugegeben, es ist wirklich etwas gewöhnungsbedürftig so früh und vor allem als erste Mahlzeit des Tages, so etwas zu essen, aber das Essen schmeckt sehr gut und ich freue mich darüber, dass es sowas noch gibt: Frisch gemachtes Essen in einem Speisewagen, der eine wunderbare Stimmung ausstrahlt. Während ich esse und der Zug in Richtung Hohe Tatra fährt, zieht abermals die wunderbare Landschaft vor dem Zugfenster vorbei. Es ist ein Traum!

Während ich bis Poprad-Tatry alleiniger Gast im Speisewagen bin, schließlich ist es zu spät zum Frühstück und eigentlich noch zu früh fürs Mittagessen, füllen sich nun alle Tische. Für mich sind es jedoch nur noch 15 Minuten Fahrtzeit bis Štrba, wo ich die Fahrt zunächst unterbreche. Wir erreichen den Halt mit ca. 10 Minuten Verspätung, da unser Zug an einem Bahnhof zwischen Košice und Poprad-Tatry einen Anschlusszug abgewartet hat.

In zwei Stunden werde ich weiterfahren. Zwischenzeitlich nehme ich einmal die Zahnradbahn rauf nach Štrbské Pleso. Die Bahn beginnt direkt im Bahnhofsgebäude von Štrba. Auf der Bergfahrt ist im Zug fast jeder Platz belegt, deshalb fotografiere ich kaum und zeige Fotos erst von der Talfahrt. Übrigens hat auch die Zahnradbahn unseren Anschluss abgewartet. Ich hatte schon Sorge, dass dieser Abstecher sehr kurz ausfallen muss, weil ich es mit einer Zahnradbahnfahrt später direkt wieder runter gemusst hätte, ohne oben etwas Zeit zu verbringen.

Die Fahrt dauert nur  wenige Minuten und dann kommt man am Bahnhof von Štrbské Pleso an.

Hier oben endet nicht nur die Zahnradbahn, es ist auch die Endstation der elektrischen Tatrabahn mit der man wieder bis Poprad-Tatry fahren und somit eine Rundfahrt machen könnte. Sicher eine Idee für das nächste Mal. Heute bin ich ganz froh, dass ich das nicht mache, denn ganz viele Fahrgäste, die mit mir mit der Zahnradbahn hier angekommen sind, steigen nun in den Triebwagen um, sodass dieser so voll wird, dass es schon Stehplätze gibt. Man kann es auf dem letzten Bild erahnen.

Während die Zahnradbahn nun direkt wieder ins Tal fährt, habe ich etwa eine Dreiviertelstunde Zeit, bis die Bahn erneut oben ankommt und dann mit mir runterfährt. Ich schaue mich ein bisschen im Umkreis des Bahnhofs um und komme an einen sehr schönen Bergsee.

Hätte ich nun mehr Zeit, würde ich weiter an den Berg herangehen, wo eine Sprungschanze zu sehen ist und wo es laut Karte auch Seilbahnen geben soll. Die Zeit bleibt heute nicht, also geht es zurück zum Bahnhof.

Gleisverbindung zwischen Zahnradbahn und eklektischer Tatrabahn

Die Zahnradbahn kommt, ich steige ein und es geht mit nur wenigen Fahrgästen wieder ins Tal.

Etwa eine halbe Stunde dauert es jetzt noch, bis mein Zug kommt. Aber heute ist das Wetter wunderbar, so genieße ich am Bahnsteig die Sonne.

Auch dieser Zug wird mit wenigen Minuten Verspätung angekündigt und ich zittere schon etwas um meinen nächsten Anschluss in Žilina. Bis dahin sind es aber noch knapp zwei Stunden, mal schauen was passiert.

Interessanterweise ist in diesem Zug ein tschechischer Speisewagen eingereiht, der aber von den Slowaken betrieben wird. In diesem Fall laufe ich aber nur durch diesen Wagen durch und begebe mich in den einzigen Wagen der 1. Klasse. Auch dieser ist gut gefüllt, allerdings nicht ganz so voll wie gestern der Wagen im Metropolitan. Ich weiß nicht, ob das üblich ist, dass die 1. Klasse in unseren östlichen Nachbarländern eher knapp bemessen ist.

Von der Schaffnerin erhalte ich eine Flasche Wasser, hier in der 1. Klasse inklusive, genieße weiterhin die Fahrt durch eine traumhafte Landschaft und sehe erneut die Stelle, an der ich heute früh aufgewacht bin.

Hier könnte ich wirklich stundenlang hin- und herfahren. Leider macht mir unsere Verspätung etwas Sorgen. Wir erreichen Žilina mehr oder weniger zur Abfahrtszeit meines Anschlusszuges. Ich hoffe einfach auch hier, dass der Anschluss wartet und sprinte, nachdem ich verstanden habe wo es liegt, zum Gleis, von dem der Anschlusszug fährt.

Der Zug steht noch bereit und muss wohl zunächst noch meinen bisherigen Zug abfahren lassen. Somit entspannt sich die Lage etwas und ich kann den Zug noch etwas außen entlang schreiten.

Von Bahnsteig kann man hier kaum sprechen

Der Zug besteht sowohl aus slowakischen als auch aus tschechischen Wagen. An zweiter Position hängt ein modernisierter 1.Klasse-Wagen mit Bistro der tschechischen Bahn.

Auf beiden Seiten der Bistroküche gibt es Sitzbereiche der 1. Klasse. Das ist ziemlich verwirrend, weil niemand so richtig versteht, wo man hier als normaler Fahrgast sitzen und wo essen soll. Außerdem passen Sitze und Fensterteiler überhaupt nicht zusammen. Ich entscheide mich für einen Platz auf der Seite des Bistros, auf der nicht die Theke ist. Nebenan fährt dabei mein vorheriger Zug aus, weiter nach Bratislava:

Dann geht es auch für uns los und wir fahren erneut durch eine wunderbare Landschaft.

Es ist an der Zeit, etwas zu essen. Ich gehe deshalb zur Theke will bestellen. Der freundliche Kellner erklärt mir, dass er sofort vorbeikommen würde und ich am Platz bestellen könne. Wunderbar! Aber so wirklich zu verstehen ist das hier nicht, was Speisewagen und was normaler Sitzbereich sein soll. Für den Rest der Fahrt werde ich nun jedenfalls bestens versorgt und immer wieder gefragt, ob ich noch etwas möchte.

Das ist mein letztes Foto bei Tageslicht. Leider geht die Sonne sehr früh unter. Das lässt sich zu dieser Jahreszeit aber nicht vermeiden. Auch dieser Strecke muss ich irgendwann mal komplett bei Tageslicht fahren. Die nächsten Stunden genieße ich also das ein oder andere Kaltgetränk und höre ansonsten Musik. Als dann Pardubice näher kommt, bin ich froh, dass ich die Nacht hier verbringe und nicht noch eine Stunde weiter bis Prag fahren muss.

Beim Ausstieg in Pardubice stelle ich fest, dass der erste Wagen des Zuges auch so ein kombinierter 1.Klasse/Bistro-Wagen ist, allerdings ein slowakischer. Er ist nicht modernisiert, hat noch einen eindeutigen Bistrobereich und läuft leer und verschlossen mit. Das wäre auch lustig, wenn beide Wagen geöffnet wären und man zwischen tschechischem und slowakischem Bistro hätte wählen können.

Ich hatte mich entschieden in Pardubice zu übernachten, weil hier die Preise für Hotels niedriger waren als in Prag. Die Strecke zum Hotel habe ich aber auf der Karte unterschätzt. Über eine halbe Stunde laufe ich einmal quer durch die Innenstadt, bis ich ankomme. Immerhin ist es trocken und ich kann dabei die wirklich schöne Stadt etwas kennenlernen.

Müde und zufrieden falle ich anschließend ins Bett und schlafe dann nach zwei Nächten im Zug wie ein Stein.

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