Mit dem Panoramawagen durch die Alpen: Fahrt mit dem EC „Transalpin“ zwischen Graz und Zürich

Vom Glacier-Express oder Bernina-Express dürften viele schon gehört haben. Dabei handelt es sich um (mehr oder weniger) reine Touristen-Züge mit Panoramawagen. Man sitzt also den ganzen (bzw. halben) Tag im Zug und macht quasi eine Schienen-Kreuzfahrt. Eine ähnlich spannende Tour lässt sich allerdings auch mit einem regulären Zug machen: Jeden Tag verkehrt der Eurocity „Transalpin“ zwischen Graz und Zürich. Dabei fährt er einmal quer durch die Alpen. Vom (vergleichsweise flachen) Grazer Bergland geht es am Dachstein vorbei, entlang der Leoganger Steinberge, dem Karwendelgebirge, dem Arlberg und den Appenzeller Alpen. Und das ist nur eine kleine Auswahl aus dieser extrem abwechslungsreichen Fahrt. Der Zug ist im Prinzip ein ganz normaler Eurocity, gebildet aus ÖBB-Wagen, aber er führt zusätzlich in der 1. Klasse auch einen Panoramawagen der SBB. Die Fahrt im Panoramawagen des EC Transalpin gehört für mich zu den absoluten Highlights auf Schienen. Ich habe die Tour daher schon mehrfach gemacht. Hier beschreibe ich beispielhaft eine Fahrt im September 2017. An vielen Stellen werde ich aber auch Fotos von den vergangenen Reisen mit diesem besonderen Zug einfließen lassen.

Wir starten morgens in Graz und fahren ohne einen einzigen Umstieg im Panoramawagen über den Schoberpass nach Selzthal, über die Ennstalbahn nach Bischofshofen, über die Salzburg-Tiroler-Bahn nach Wörgl, über die Inntal- und Arlbergbahn nach Feldkirch und anschließend über Buchs und Sargans, am Walen- und Zürichsee vorbei, in die größte Stadt der Schweiz.

Graz ist die zweitgrößte Stadt Österreichs und gleichzeitig Landeshauptstadt der Steiermark. Einige Minuten Fußmarsch und man erreicht vom Bahnhof aus die Altstadt und den Schlossberg mit dem bekannten Uhrturm – dem Wahrzeichen von Graz. Am Vorabend der Reise mit dem „Transalpin“ genieße ich auf dem Schlossberg den Sonnenuntergang.

Samstagmorgen um kurz nach 9 am Grazer Hauptbahnhof: Es kann losgehen. Der Grazer Hauptbahnhof wurde erst vor wenigen Jahren komplett modernisiert und ist sehr einladend. Am Gleis 5 wird schon etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt der „Transalpin“ bereitgestellt.

Die Tour von Graz aus zu machen hat aus meiner persönlichen Sicht zwei Vorteile: Erstens, man kann etwas länger schlafen (in Zürich startet der Zug eine Stunde früher) und zweitens wird die Strecke zum Ende hin immer beeindruckender. Die größten Highlights (aus meiner persönlichen Sicht) sind die Arlbergbahn und die Fahrt entlang des Walensees. So kann auch zum Ende hin keine Müdigkeit oder Langeweile aufkommen.

Ganz vorne an der Zugspitze hängt der 1. Klasse Panoramawagen, in dem ich für die kommenden (knapp) zehn Stunden Platz nehme. Die Lok wird erst am Bahnsteig angekuppelt und sie bleibt auch nur bis Selzthal am Zug. Zwei Fahrtrichtungswechsel gibt es nämlich auf der Fahrt, die längste Zeit ist „mein“ Panoramawagen der letzte Wagen des Zuges. Bei der Abfahrt in Graz und der Ankunft in Zürich sind wir jedoch ganz vorne.

Bereits in Graz füllt sich der Panoramawagen ordentlich. Das muss am Samstag liegen. Bei meiner Reise ein Jahr zuvor (auch im September, aber unter der Woche) war ich die erste Etappe (bis Leoben) ganz alleine im Wagen. Und tatsächlich bin ich heute auch nicht der Einzige, der die komplette Strecke Graz-Zürich zurücklegt.

Die Abfahrt in Graz ist um 9.45 Uhr. Das Wetter spielt mit und nur wenige Wolken stören am Himmel. Das Wetter ist bei so einer Tour natürlich eine echte Lotterie. Ich muss auch gestehen, dass die Tour natürlich bei Regen und wolkenverhangenen Bergen nicht wirklich so prickelnd ist. Heute passt aber alles.

Die erste Dreiviertelstunde ohne Halt bis Leoben vergeht wie im Flug. Die Fahrt führt entlang der Mur und bietet bereits einige schöne Ausblicke aus dem Panoramawagen. Natürlich kann all das nicht damit mithalten, was uns heute noch erwartet. Nach dem Halt in Leoben biegt unser Zug dann auf die Strecke über den Schoberpass nach Selzthal ab.

Etwa anderthalb Stunden nach der Abfahrt in Graz erreicht der Zug dann Selzthal. Dabei handelt es sich zwar nur um eine kleine Gemeinde, aber um eine große Eisenbahndrehscheibe. Hier wechselt der Zug die Fahrtrichtung und hat für das ab- und ankuppeln der Lok einige Minuten Aufenthalt. Dabei kann man etwas frische Luft schnappen.

Die folgenden anderthalb Stunden fahren wir durch das Ennstal bis nach Bischofshofen. Dabei passiert der Zug mit dem Grimming und dem Dachstein die ersten beiden wirklich beeindruckenden Bergmassive. Wir fahren uns auf diesem Abschnitt 15 Minuten Verspätung ein, da unser Lokführer „Probleme mit der PZB-Steuerung“ hat. Das teilt uns zumindest der Zugbegleiter per Durchsage mit. Ich frage mich in dem Moment, ob irgendein weiterer Fahrgast im Zug (neben mir) noch weiß, was die PZB (punktförmige Zugbeeinflussung) ist. Jedenfalls sorgt die Störung für mehrere unangenehme Zwangsbremsungen. Dabei rutscht meiner Mutter, die mich auf dieser Reise begleitet, einmal ihr halbes Frühstück vom Tisch auf den Schoß. Das hatte sie sich zuvor aus dem Speisewagen bringen lassen. Auch das ist ein unschlagbarer Vorteil der Fahrt im Panoramawagen der 1. Klasse: Man kann sich Essen an den Platz bestellen und muss die gute Aussicht nicht aufgeben für einen Besuch im Speisewagen.

Im Ennstal lässt sich auf der kurvigen Strecke mehrmals schön der ganze Zug aus dem letzten Wagen beobachten.

Wir sind unterwegs in der Dachstein-Region.

Anschließend fahren wir an den Ausläufern der Hohen Tauern vorbei. Autofahrern könnte der Radstädter Tauern-Pass ein Begriff sein. An ihn muss ich denken, während der „Transalpin“ in Radstadt hält.

Um kurz nach 13 Uhr (mit zunehmender Verspätung) erreichen wir Bischofshofen. Hier endet die Ennstalbahn und wir treffen auf die Bahnstrecke von Salzburg (unten rechts im Bild).

Die folgenden 15 Minuten fahren wir bis Schwarzach-St.Veit auf der Strecke, die auch die Züge Salzburg – Kärnten nehmen. Diese fahren ab Schwarzach dann aber über die dort beginnende Tauernbahn weiter. Wir dagegen bleiben auf der Salzburg-Tiroler-Bahn, der einzigen innerösterreichischen Eisenbahnverbindung zwischen Salzburg und Tirol. Im Fernverkehr hat diese Strecke nicht die allergrößte Bedeutung. Die Fernzüge zwischen Salzburg und Innsbruck fahren nämlich in der Regel über Deutschland und sind so über eine Stunde schneller, als über die (landschaftlich aber natürlich viel reizvollere) Salzburg-Tiroler-Bahn. Der „Transalpin“ ist damit einer von nur wenigen Fernzügen täglich auf dieser Strecke.

Die folgende halbe Stunde Fahrt nach Zell am See bietet das erste richtig große landschaftliche Highlight: Die Fahrt im schmalen Tal neben der Salzach.

Der Zug wechselt mehrmals die Flussseite, es geht durch viele kleine Tunnels und es ist sehr kurvig. Die Passage ist dabei so schön, dass ich davon kaum Fotos habe, da ich fast ausschließlich aus dem Fester starre. Die beiden oberen Bilder müssen daher reichen.

Kurz vor Zell am See wird das Tal wieder weiter und die Strecke macht eine 90 Grad-Kurve, um dann am Zeller See entlang zu führen.

Der Bahnhof von Zell am See liegt direkt am See.

Meine Mutter beklagt sich derweil darüber, dass ja „schon“ vier Stunden um sind und wir „nur“ noch sechs Stunden vor uns haben. Ich hätte nie gedacht, dass es ihr so viel Spaß machen würde. Schließlich war sie vorher ganz skeptisch, ob es nicht zu viel wäre, einen ganzen Tag nur im Zug zu sitzen. Nach dieser Tour kann ich allen Skeptikern Entwarnung geben: Man muss nicht Bahnfan sein, um diese Tour zu machen.

Hinter Zell am See kommt das Steinerne Meer in Sicht, ehe der Zug nach Saalfelden erneut eine 90 Grad-Kurve fährt und damit wieder in westlicher Richtung (aber zwei Täler weiter nördlich) fährt. Die Strecke steigt nun bis zum Grießenpass stetig an. Der Pass markiert die Grenze zwischen Salzburg und Tirol. Wir fahren an bekannten Wintersportorten wie Leogang, Hochfilzen oder auch Fieberbrunn vorbei. In der Ferne kommt das Kitzbüheler Horn (mit Antenne) in Sicht.

Auf dieser Passage kommt uns auch der Gegenzug entgegen, der „Transalpin“ Zürich – Graz.  Unsere Verspätung bauen wir langsam ab und ich genieße es aus dem letzten Wagen hinten rausgucken zu können.

Nach dem Halt in St. Johann in Tirol umfährt der Zug quasi das Kitzbüheler Horn und in Kitzbühel können wir es von der anderen Seite sehen.

In Kitzbühel führt die Strecke direkt an der legendären Weltcuppiste „Streif“ vorbei, die im Sommer eine wunderbar grüne Wiese ist. Anschließend windet sich der Zug durch das Brixental in vielen Kurven wieder nach unten. In Wörgl treffen wir auf das Inntal und die Strecke von Rosenheim.

Das Inntal beeindruckt durch den Kontrast der sehr hohen und steil abfallenden Berge auf der Nordseite und dem breiten Tal.

Um 15.40 Uhr erreichen wir (wieder pünktlich) den Innsbrucker Hauptbahnhof. Hier wird eine zusätzliche Lok angekuppelt, um den Zug über den Arlberg zu bringen. Nach vielen Stunden besteht hier also wieder einmal die Möglichkeit, sich auf dem Bahnsteig die Füße zu vertreten. Aus dem kurzen „Füße vertreten“ wird in unserem Fall aber eine ganze Stunde, denn die Loks machen Probleme und es müssen zwei komplett neue Loks herbeigeschafft werden. Also ist Zeit für lange Spaziergänge auf dem Bahnsteig (auch vom letzte Wagen – unserem Panoramawagen – bis zum ersten Wagen) und für Fotos.

Mit einer knappen Stunde Verspätung geht es dann endlich weiter. Im Panoramawagen ist die Luft katastrophal und wird erst langsam besser. Schließlich funktionierte die ganze Stunde, die wir in Innsbruck ohne Lok standen, die Klimaanlage nicht und der Wagen ist seit Innsbruck voll.

Nach der Ausfahrt in Innsbruck hat man auf der rechten Seite den Blick auf die Martinswand und die gleichnamige Galerie der Mittenwaldbahn von Innsbruck über Seefeld in Tirol und den Scharnitzpass nach Mittenwald.

Nun beginnt der Zug wieder an Höhe zu gewinnen. Wir sind auf der Arlbergbahn unterwegen, die bis zum Scheitelpunkt im Arlbergtunnel stetig ansteigt. Schon die Ostrampe der Arlbergbahn bietet viele tolle Ausblicke. Vernünftige Fotos kann man dabei aber kaum machen. Und die, die man machen kann, zeigen nicht wirklich, warum die Strecke so beeindruckend ist. Da hilft nur: Sich selbst in den Zug setzen und die Fahrt erleben.

Noch beeindruckender und steiler ist die Arlberg-Westrampe auf der anderen Seite des Arlbergtunnels. Erst recht, wenn die Sonne langsam untergeht.

In Bludenz ist die Arlbergbahn dann zu Ende und geht in die Vorarlbergbahn über. Wir sind wieder im Tal unterwegs und legen die letzten Kilometer in Österreich zurück. Nach dem Halt in Feldkirch fahren wir durch Liechtenstein (ohne Halt) und überqueren schließlich den Rhein und damit die Grenze zur Schweiz.

Direkt hinter der Grenze rollt der Zug in den Bahnhof von Buchs (SG) ein. Hier heißt es wieder: Richtungs- und Lokwechsel – eine Schweizer Lok übernimmt.

Weiter geht es mit genau einer Stunde Verspätung. Das Schweizer Eisenbahnnetz ist sehr stark befahren und Pünktlichkeit ist den Schweizern sehr wichtig, sodass in der Schweiz nicht einfach ein verspäteter Zug irgendwie durchgeleitet wird und damit alle anderen Züge verspätet. Man lässt ihn dann lieber genau eine Stunde später fahren, wenn die Strecke für diesen Takt wieder frei ist.

Die eine Stunde Verspätung wirkt sich jetzt im September besonders negativ aus, denn es wird bereits dunkel. Statt Sonnenuntergang am Walensee, ist es schon ziemlich düster. Wenn der Zug jedoch pünktlich ist, dann ist die letzte Etappe entlang des Walensees und des Zürichsees für mich die absolute Krönung der Tour. Uns ist das an diesem Tag nicht gegönnt. Im Vorjahr hatte ich aber genau das:

Um 20.20 Uhr erreicht der Zug mit genau einer Stunde Verspätung den Zürcher Hauptbahnhof (das Foto unten stammt selbstverständlich von einem anderen Besuch in Zürich – wer findet den Transalpin?).

Es endet eine meiner absoluten Lieblings-Bahnreisen, die ich bestimmt noch viele Male machen werde. Und übrigens: Meine Mutter möchte auch unbedingt nochmal mit dem „Transalpin“ fahren 😉

Wer die Fahrt lieber einmal im Winter erleben will, der schaue sich diesen Reisebericht an!

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