Driving Home for Christmas: Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Linz

Heiligabend 2017 fiel auf einen Sonntag, Freitag war mein letzter Arbeitstag. Was lag also näher, als unmittelbar vor den Weihnachtsfeiertagen nochmal eine kurze Tour in die Alpen einzuschieben, um wenigstens dort auf ein bisschen „Winter Wonderland“ zu treffen. Herausgekommen ist folgende Tour:

Mit dem Nacht-ICE 619 geht es von Dortmund nach München. Mit der Regionalbahn weiter nach Garmisch-Partenkirchen. Anschließend geht es über Mittenwald und Seefeld nach Innsbruck.  Mit dem railjet fahre ich von dort über das Deutsche Eck und Salzburg nach Linz. In Linz schaue ich mir die Stadt und das Ö3 Weihnachtswunder an und fahre anschließend (in der Nacht auf den 24.12.) mit dem nightjet zurück nach Hause.

Die Tour startet um kurz nach halb acht am Freitagabend in Münster. Der Bahnhof ist gar nicht mal so voll wie ich es erwartet hatte. Schließlich ist dieser 22.12. einer der beiden Hauptreisetage zu Weihnachten. Die große Reisewelle scheint für diesen Tag aber um 19.30 Uhr schon durchgerollt zu sein. Mit der Regionalbahn geht es nach Dortmund. Dort wird nach kurzer Zeit auch der Nacht-ICE 619 nach München bereitgestellt. Ich habe einen Platz in der 1.Klasse-Lounge direkt hinter dem Lokführer reserviert.

Normalerweise ist die Lounge der perfekte Ort für eine Nachtfahrt. Man ist in einem kleinen Abteil mit wenigen Leuten, die Lounge gilt als Ruhebereich und man kann als Fahrgast das Licht stark dimmen. Leider erwische ich erstmals einen ICE 3, der das Redesign durchlaufen hat. Dabei wurden in der Lounge so helle LED-Lampen verbaut, dass es auch im „gedimmten“ Zustand (zwei von acht Lampen sind an) taghell in der Lounge ist. Schade.

Trotzdem ist die Fahrt (für eine Nacht im Sitzen) angenehm und der Zug zwar voll, aber nicht überfüllt. Um kurz nach sechs am nächsten Morgen steige ich im weihnachtlich geschmückten Münchener Hbf aus.

In München bin ich relativ häufig, so gönne ich mir keinen großen Aufenthalt und fahre schon eine halbe Stunde später mit der Regionalbahn in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Auf der Strecke fährt DB Regio mit Talent 2-Triebzügen (auch als „Hamster“ bekannt). Auf den Tischen im Zug ist die Route der „Werdenfelsbahn“ abgebildet, so wie man es von vielen Bahngesellschaften in der Schweiz kennt.

Der Zug ist recht schwach besetzt, was mich wundert, denn es ist ein perfekter Skitag angekündigt (ab dem späten Vormittag blauer Himmel, richtig viel Schnee und es ist ein Samstag) und dieser Zug eignet sich eigentlich perfekt dazu, rechtzeitig in Garmisch-Partenkirchen zu sein, wenn die Lifte starten.

Während es langsam hell wird, habe ich aus dem Zug zwischen Uffing und Murnau einen wunderbaren Blick auf dem Staffelsee. Im Tal hängen noch letzte Nebel- bzw. Wolkenfelder. Dennoch habe ich nach dem Ausstieg in Garmisch-Partenkirchen schon einen schönen Ausblick auf die umliegenden Berge.

Zwei Stunden habe ich mir hier Zeit genommen. Zu Fuß geht es auf eine kleine Tour durch den Ort. Ich gehe am Bahnhof der Zugspitzbahn vorbei in Richtung Hausberg. Der Hausberg ist der perfekte Einstieg in das Classic-Skigebiet von Garmisch-Partenkirchen. Gute zehn Minuten dauert der Fußweg vom Bahnhof Garmisch-Partenkirchen zum Hausberg. Man kann aber auch direkt mit der Zugspitzbahn oder der Außerfernbahn dorthin fahren. An beiden Strecken gibt es extra Haltepunkte. An der Talstation sehe ich bereits eine lange Schlange. Die Bahn geht erst in fünf Minuten in Betrieb. Der Parkplatz ist auch schon ziemlich voll und es kommen immer mehr Autos an. Offenbar reisen viele lieber mit dem eigenen Wagen an, anstatt mit der Bahn.

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof klart es immer mehr auf und auch der Blick auf den wohl bekanntesten Gipfel des Werdenfelser Landes ist frei. Ein kleiner Kalauer muss da natürlich sein:

Weiter geht es mir der Regionalbahn nach Innsbruck. Auch dieser Zug kommt aus München und fährt die komplette Strecke durch. Das geht alle vier Stunden. Prinzipiell kann man allerdings alle zwei Stunden von München nach Innsbruck über Garmisch-Partenkirchen fahren. Alle vier Stunden muss man dabei aber im Garmisch umsteigen.

Aus dem Zug habe ich direkt bei der Ausfahrt aus Garmisch-Partenkirchen einen tollen Blick auf das „Winter Wonderland“. Auch an der großen Olympiaschanze fährt der Zug vorbei, auf der jedes Jahr an Neujahr das Neujahrsspringen der 4-Schanzen-Tournee stattfindet.

Auch Biathleten kann man an der Strecke beobachten.

Die Fahrt durch die Winterlandschaft bis Mittenwald ist herrlich. So herrlich, dass ich sie einfach nur genieße und keine Fotos mache. Hinter Mittenwald überquert der Zug die Grenze zu Österreich und fährt über den Scharnitzpass. Bei Seefeld in Tirol zücke ich nochmals mein Handy:

Kurz hinter Seefeld geht es eigentlich beeindruckend am Berghang hinab ins Inntal. Eigentlich, denn im Tal hängt Nebel, sodass ich leider diesen tollen Ausblick am heutigen Tag nicht genießen kann. Aber zumindest von oben sieht der Nebel schön aus.

Auch in Innsbruck verbringe ich zwei Stunden. Ich war schon häufig hier und trotzdem ist Innsbruck für mich immer einen Besuch wert. Beeindruckend ist vor allem der Kontrast zwischen großer Stadt und hohen Bergen – so dicht beieinander. Leider ist unter dem Nebel davon heute nichts zu sehen. Aber auch ohne Berge ist der Besuch der Altstadt von Innsbruck zu empfehlen.

Hier auf der Maria-Theresien-Straße befand sich im letzten Jahr das Ö3 Weihachtswunder. Ohne das gläsernere Studio fehlt hier neben dem Weihnachtsmarkt etwas, aber ich werde später in Linz ja wieder auf das Weihnachtswunder treffen. Meine Rundtour durch Innsbruck führt mich auch am Wahrzeichen von Innsbruck vorbei – dem goldenen Dachl.

Der Weihnachtsmarkt hier unterscheidet sich aber doch etwas von den Weihnachtsmärkten in Deutschland. Im Mittelpunkt steht ganz klar Kunst und Handwerk. Glühweinstände gibt es selbstverständlich auch. Aber „normale“ Imbissstände mit Pommes und Currywurst sucht man hier fast vergeblich. Zu Essen gibt es eher Gebäck und andere süße Speisen. Keine zwei Minuten vom goldenen Dachl entfernt steht man auch schon am Ufer des Inns.

Meine Runde führt mich dann noch an der Talstation der Hungerburgbahn vorbei. Mit dieser Standseilbahn kann man direkt aus der Stadt zum höher gelegenen Stadtteil Hungerburg fahren. Dort dort aus startet eine Seilbahn zur Nordkette, von der man einen tollen Blick auf Innsbruck hat. Anschließend gehe ich zum Bahnhof zurück und nach einem kurzen Besuch der ÖBB Lounge besteige ich den nächsten railjet in Richtung Wien.

Während ich mir an meinen Platz ein Mittagessen servieren lasse, fährt der Zug durch das Inntal bis Rosenheim und biegt dort auf die Strecke nach Salzburg ab. Zwischen Kufstein und Salzburg fährt der Zug dabei ohne Halt durch Deutschland. Das geht viel schneller, als wenn man über die einzige innerösterreichische Bahnstrecke zwischen Tirol und Salzburg fahren würde. Deshalb lassen die ÖBB ihre Züge über Deutschland fahren. Für den Fahrgast ist es aber tariflich so, als hätte man Österreich gar nicht verlassen.

Im relativ niedrig gelegenen Chiemgau sind die Wiesen wieder grün, dennoch ist die Fahrt schön und bietet tolle Ausblicke. Die volle Packung „Winter Wonderland“ hatte ich ja heute schon.

Kurz hinter Freilassing überquert der Zug dann wieder die Grenze und fährt kurz vor dem Salzburger Hauptbahnhof über die Salzach. Vom Zug aus eröffnet sich in diesem Moment ein toller Blick auf die Salzburger Altstadt und auf die Festung Hohensalzburg (leider im Gegenlicht).

Am liebsten würde ich auch hier in Salzburg noch aussteigen, aber der Tag hat auch nur eine begrenzte Anzahl an Stunden. Deshalb bleibe ich sitzen und fahre noch etwa eine Stunde weiter bis Linz. Die Fahrt auf der Westbahn ist nett, allerdings bei weitem nicht mehr so landschaftlich reizvoll wie die bisherige Strecke.

In der Abenddämmerung erreicht der Zug den Linzer Hauptbahnhof. Ich mache mich direkt zu Fuß auf in die Linzer Innenstadt. Linz hat, wie viele andere Städte auch, mehrere Weihnachtsmärkte. Auf den ersten Markt treffe ich bereits nach fünf Minuten. Ich gehe aber direkt weiter bis zum Hauptplatz. Dort steht in diesem Jahr das gläserne Studio vom Ö3 Weihnachtswunder. Drei Moderatoren senden 120 Stunden lang aus einer österreichischen Landeshauptstadt für den guten Zweck. Die Hörer können (per Telefon, Internet, vor Ort) für Familien in Not spenden und sich für ihre Spende einen Song wünschen. Außerdem kommen Prominente ins gläserne Studio und alle können dabei zuschauen.

Der Hauptplatz ist voll. Das Weihnachtswunder hat an diesem letzten Abend vor Heiligabend viele Neugierige angelockt. Keine fünf Minuten vom gläsernen Studio entfernt liegt die Donau. Auch ihr statte ich einen kurzen Besuch ab.

Es ist windig und kalt geworden. Dennoch bleibe ich noch für über zwei Stunden am gläsernen Studio stehen und beobachte das Treiben aus verschiedenen Perspektiven. Für diesen letzten Weihnachtswunder-Abend 2017 hat Ö3  viele bekannte österreichische Musiker ins gläserne Studio eingeladen, die zwei Stunden lang jeden Song, der gewünscht wird, live performen.

Irgendwann ist es an der Zeit zum Bahnhof zurückzukehren. Vorher drehe ich aber noch eine kleine Runde über den Weihnachtsmarkt am Hauptplatz.

Um kurz nach 22 Uhr fährt der nightjet von Wien nach Düsseldorf und Hamburg ein.

Ich habe das untere Bett in ein Schlafwagen-Abteil in Dreierbelegung gebucht. Ich habe aber Glück, denn die Person, die das mittlere Bett gebucht hat, erscheint nicht. So wird es weggeklappt und ich habe unten richtig viel Platz. Nach einer kurzen Dusche lege ich mich schlafen, denn nach der letzten Nacht im Sitzen bin ich natürlich sehr müde. In Passau werde ich aber wieder durch lautes Klopfen geweckt. Die Bundespolizei möchte die Pässe sehen.  Der Beamte ist freundlich und kann natürlich auch nichts dafür, dass er jeden Reisenden im Zug kontrollieren muss. Dennoch zeigen sich wieder mal die negativen Konsequenzen der Quasi-Abschaffung von Schengen an der deutsch-österreichischen Grenze. Die ganz entspannte Reisefreiheit (ungestört im Nachtzug) ist weg. Danach schlafe ich aber wieder ein und dann bis zum frühen Morgen durch.

Gegen kurz nach halb sieben wache ich irgendwo zwischen Mainz und Koblenz auf und spüre die kurvige Rheinstrecke. Es ist der Morgen des Heiligabends und ich mache hier gerade klassisches „Driving Home for Christmas“. Wie cool – das wollte ich immer schon einmal machen! Auch wenn es natürlich irgendwie bekloppt ist, da ich ja kurz vor Weihnachten zunächst erstmal weggefahren bin. Ich bin nicht der Einzige der zu Weihnachten nach Hause fährt, der Nachtzug ist voll. Und von den ÖBB gibt es sogar Lebkuchen und Zimtsterne.

Auch bei der Ankunft in Düsseldorf merkt man, dass das heute ein besonderer Tag ist. Eine ältere Dame fragt unseren Wagensteward, ob er nun auch frei hat und ist beinahe entsetzt, als er erzählt, dass er jetzt ins Hotel geht und dann am Abend wieder zurück nach Österreich fahren wird. Das bekommen auch die vielen anderen Fahrgäste in unserem Wagen mit und schütteln dem Steward beim Ausstieg die Hand, danken ihm und wünschen ihm trotzdem ein schönes Weihnachtsfest. Irgendwie ist es eine magische Stimmung an diesem Morgen des 24.12.

Die letzte Etappe lege ich mit dem Regionalexpress nach Münster zurück. Der Zug ist nur schwach belegt.

Um kurz vor elf bin ich in pünktlich in Münster und Weihnachten kann kommen!

2 Gedanken zu „Driving Home for Christmas: Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Linz“

  1. Hallo Niklas,
    alles Gute zum Start deines Blogs! Der Ansatz mit dem Bildern im Hochformat und den vielen Videos ist ungewöhnlich, aber mal etwas Neues. Mir gefällt’s. Bin gespannt auf deine nächsten Berichte.
    Viele Grüße nach Münster,
    Sebastian

    P.S.: Kleiner Tipp noch: Ich empfehle, bei der URLs den Beitragstitel statt der ID zu verwenden, da freut sich Google. Einstellen kannst du das bei WordPress im Admin-Bereich unter Einstellungen > Permalinks 😉

    1. Hallo Sebastian,
      danke für dein Feedback und den Vorschlag! Das mit dem Hochformat ist tatsächlich ein Versuch, da die Bilder bzw. Videosequenzen ursprünglich aus einer Instagram Story stammen, die ich während der Tour gemacht habe. Und Stories bei Instagram laufen im Hochformat. Außerdem geht ja der Trend sowieso in die Richtung, dass sich im Internet viel mehr mobil als am Rechner angeschaut wird, also tendenziell eher im Hochformat. Ich war auch sehr lange Zeit kritisch, merke aber zum Beispiel an mir selbst, wie sich mein Surfverhalten ändert und da ist es super, nicht immer das Handy drehen zu müssen.
      Beste Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.